Wiederinbetriebnahme Beiwagen 193

Letzter Überlandbahn-Beiwagen in neuer Dekoration

Die Halleschen Straßenbahnfreunde e.V. konnten pünktlich zur 120-Jahrfeier der Überlandbahnen in Merseburg den letzten erhaltenen Beiwagen der Überlandbahnen im Raum Halle-Merseburg nach bestandener Hauptuntersuchung, Nummer 193, wieder auf Sonderfahrt schicken.

Eine kleine Überraschung war dabei die Umdekorierung und das Versetzen des Beiwagens in den Zustand der Nachkriegsepoche: Der Beiwagen 193 zeigt sich jetzt als ein Fahrzeug der VVB ("Vereinigung volkseigener Betriebe") des Verkehrswesens Sachsen-Anhalt Merseburger Überlandbahnen.

Zum geschichtlichen Hintergrund: Auf die Merseburger Überlandbahnen-AG folgte zwischenzeitlich der volkseigene Betrieb. Von 1948 bis 1951 - drei Jahre - dauerte dieses letzte Kapitel der eigenständigen Überlandbahnen im Süden von Halle an. Eine verhältnismäßig kurze Epoche, doch zugleich ein Bindeglied der Geschichte: Beiwagen 193 ist damit das einzige Fahrzeug in unserer Sammlung, das die Nachkriegsepoche repräsentiert. Zeitgenössische Werbungen sollen dabei als besondere Farbtupfer einen authentischen Eindruck dieser Epoche vermitteln. Solche Werbungen finden sich an historischen Straßenbahnen andernorts schon etwas länger, in Halle ist dies jedoch ein Novum. Unser Dank gilt daher dem Halleschen Bergzoo und der Stadt Halle sowie dem Henkel-Konzernarchiv für die Autorisierung.

Beiwagen 193

Im Jahre 1940 wurden insgesamt acht vierachsige Triebwagen und 1941 acht passende Beiwagen von der Gottfried Linder AG in Ammendorf bei Halle (Saale) gebaut. Deutschlandweit ist unser Fahrzeug Nummer 193 heute der einzige erhaltene vierachsige Wagen, der nach den Grundsätzen des geplanten Einheitsstraßenbahnwagens konstruiert wurde.

Bis heute fehlt der Sammlung leider ein passendes "Zugpferd". Mit der Umdekorierung und dem Versetzen des Wagens in eine spätere Epoche nähren sich zeitlich die 193 und die infrage kommenden Triebfahrzeuge ein kleines Stück an.